Was sind Panikattacken und Panikstörung?
Menschen, die an einer Panikstörung leiden, sind belastet durch (1) plötzliche, unerklärliche Anfälle intensiver Angst und (2) durch das Vermeiden von Situationen, in denen sie einen plötzlichen Angstanfall bekommen könnten (Agoraphobie; z.B. Supermarkt, Lift etc.). Die Panikattacken und die Agoraphobie führen zu einer erheblichen Belastung und einer deutlichen Einschränkung in Beruf, Freizeit oder bei sozialen Kontakten.
Panikattacken
Panikattacken sind Anfälle intensiver Angst oder Unbehagens, die manchmal erwartet sind, manchmal jedoch auch völlig unerwartet und "wie aus heiterem Himmel" auftauchen können.
Körperliche Anzeichen während einer Panikattacke (mindestens 4 Anzeichen) sind:
  1. Herzklopfen
  2. Schwitzen
  3. Zittern
  4. Atemnot oder Gefühl der Kurzatmigkeit
  5. Erstickungsgefühle
  6. Schwindel
  7. Beklemmungsgefühle oder Schmerzen in der Brust
  8. Kribbeln oder Taubheit in Körperteilen (Hände, Füße)
  9. Hitzewallungen oder Kälteschauer
  10. Todesangst
  11. Angst, verrückt zu werden oder die Kontrolle zu verlieren
  12. Übelkeit
  13. Magen-Darmbeschwerden
  14. Unwirklichkeitsgefühl, Gefühle des Losgelöstseins vom eigenen Körper
Viele Menschen erleben im Laufe ihres Lebens irgendwann unerwartete Panikattacken. Diese vereinzelt auftretenden Ereignisse sind jedoch häufig ohne nachhaltige Konsequenzen.
Um von einer Panikstörung sprechen zu können, müssen unerwartete Attacken wiederholt auftreten und die betroffene Person muss mindestens 1 Monat unter der Angst vor einem neuerlichen Angstanfall leiden.
Agoraphobie
Als Folge von unerwarteten Panikattacken versuchen Personen häufig, Situationen zu vermeiden, in denen Hilfe nur schwer verfügbar wäre bzw. die Flucht von diesem Ort schwierig oder peinlich wäre.
Das Wort "Agoraphobie" bedeutet ursprünglich "Platzangst", d.h. Angst vor weiten Plätzen. Heute wird darunter aber genauso Angst vor Aufzügen bzw. allen engen, abgeschlossenen Räumen verstanden, Angst vor Kinosälen oder Menschenmengen, Angst vor einsamen Orten und vieles mehr.
Allen diesen Orten gemeinsam ist, dass bei Auftreten einer unerwarteten Panikattacke ein "sicherer Ort" nicht bzw. nur schwierig erreicht werden kann (z.B. der Ausgang, ärztliche Hilfe und ähnliches). Tritt ein Angstanfall auf einem einsamen Berg auf, kann ein sicherer Ort ebenso wenig erreicht werden wie in einem steckengebliebenen Aufzug.
Damit bedeutet Agoraphobie letztlich mehr oder weniger ausgeprägtes Vermeidungsverhalten, das sich immer stärker ausbreiten kann. In schweren Fällen ist die betroffene Person etwa nicht mehr in der Lage, in einen Supermarkt zu gehen, um Einkäufe zu erledigen. Manchmal kann sie das Haus überhaupt nicht mehr verlassen. Die Angst vor der Angst hält sie gefangen.
Da sich Vermeidungsverhalten als Folge von Panikattacken zwar meistens, aber nicht immer entwickelt, spricht man von "Panikstörung mit Agoraphobie" bzw. "Panikstörung ohne Agoraphobie".
Beispiel Herr N.
Herr N. erlebt Panikattacken 2-3 Mal pro Woche. Sie treten in erster Linie bei erhöhter Anstrengung (Sport, körperliche Arbeit), aber auch häufig nach dem Genuss von Kaffee oder Alkohol auf. Herr N. nimmt während einer Attacke leichten Schwindel, starkes Herzklopfen, Beklemmungsgefühle und Schmerzen in der Brust wahr. Bei starken Angst-anfällen erlebt er zusätzlich Hitzewallungen, Schwitzen und Unwirklichkeitsgefühle. Die Attacken dauern in der Regel zwischen 15 und 30 Minuten. Jedoch kommt es durchaus häufig vor, dass Herr N. während des gesamten Tages nervös und unruhig ist. Er befürchtet einen möglichen Herzinfarkt oder ein schweres Herzleiden. Auch an Tagen, an denen keine Attacken vorkommen, ist Herr N. ängstlich besorgt um seinen Zustand, er beobachtet seinen Körper sehr genau.

Die Panikattacken führen im Verlauf von wenigen Wochen zu einer deutlichen Schonung bei körperlicher Anstrengung. Herr N. ist durch seinen Zustand immer wieder zu Krankenständen gezwungen. Kaffee und Alkohol können nicht mehr konsumiert werden, ohne eine Attacke auszulösen. Der schlechte Allgemeinzustand führt innerhalb von Monaten zunehmend zum Rückzug von sozialen Kontakten. Herr N. fühlt sich bei vielen Bekannten und sogar Freunden nicht mehr wohl.
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